Sie haben 30 Jahre aufgebaut. Jetzt geht es darum, nichts zu vergessen.
Diese Checkliste ist Ihr Wegweiser durch die Übergabe. Kein theoretisches Konstrukt – sondern ein praxiserprobtes Arbeitsinstrument. Punkt für Punkt. Kategorie für Kategorie. Am Ende wissen Sie: Alles geklärt.
So arbeiten Sie mit dieser Checkliste
✅ Abhaken motiviert. Jeder erledigte Punkt bringt Sie einen Schritt näher ans Ziel.
✅ Nichts vergessen. Die 52 Punkte decken alle kritischen Bereiche ab – von Strategie bis Dokumentation.
✅ Zeitplan inklusive. Die Timeline zeigt Ihnen, wann Sie welche Punkte angehen sollten.
Tipp: Drucken Sie diese Checkliste aus. Arbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater, Anwalt oder Unternehmensberater (und wenn der Übernehmer klar ist, unter dessen Einbeziehung) daran. Jeder abgehakte Punkt ist ein (ihr) Erfolgsbaustein.
KATEGORIE 1: STRATEGIE (6 Punkte)
Grundsatzentscheidungen klären – die Weichen stellen.
[ ] 1.1 Wer soll übernehmen? Kind, Mitarbeiter, externe Person oder Verkauf? Timing: Sofort klären
[ ] 1.2 Zeitrahmen definieren: Wann soll die Übergabe abgeschlossen sein? Realistisch: 3–5 Jahre
[ ] 1.3 Übergabemodus klären: Schenkung, Verkauf oder Mischform? In Österreich: Schenkung spart Steuern
[ ] 1.4 Rolle des Seniors nach Übergabe: Beirat, Berater oder komplett raus? Klare Vereinbarung treffen
[ ] 1.5 Unternehmensbewertung beauftragen (extern, KFS BW1). Kosten ca. 5.000€, Einsparung bis 500.000€
[ ] 1.6 Professionelle Berater engagieren: Anwalt, Steuerberater, Unternehmensberater. VON ANFANG AN! ROI: 10–50x
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Sie wissen jetzt, wohin die Reise geht.
KATEGORIE 2: FINANZIERUNG (8 Punkte)
Bankfinanzierung für Nachfolger sichern – ohne böse Überraschungen.
[ ] 2.1 Erstes Bankgespräch führen: Was braucht die Bank von Ihnen? Start: 18–24 Monate vorher
[ ] 2.2 Eigenkapitalquote klären: Wie viel muss der Nachfolger selbst mitbringen? In Österreich: 30–40 %
[ ] 2.3 Geschäftsplan erstellen: 3–5 Jahre Prognose. Kosten: 1.000–3.000 €
[ ] 2.4 Sicherheiten identifizieren: Betriebsvermögen, Immobilien, private Sicherheiten.
[ ] 2.5 Kreditrahmen mit Bank vereinbaren. Timing: 6–12 Monate vor Übergabe
[ ] 2.6 Finanzierungslücke schließen: Sparplan? Betriebsrente? Immobilienverkauf?
[ ] 2.7 Persönliche Haftung des Seniors klären. Empfehlung: Senior sollte NICHT haften
[ ] 2.8 Schriftliche Kreditzusage 3 Monate vor Notartermin einholen. Keine Überraschungen!
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Die Finanzierung steht. Die Bank ist im Boot.
KATEGORIE 3: RECHT (7 Punkte)
Rechtliche Grundlagen schaffen – sauber und wasserdicht.
[ ] 3.1 Gesellschaftsform klären: Einzelunternehmen, GmbH oder andere Form? Start: 12–18 Monate vorher
[ ] 3.2 Umgründung planen (falls nötig): Notar, Grundbuch. Kosten: 10.000–20.000 €
[ ] 3.3 Gesellschaftervertrag/Kaufvertrag mit Anwalt vorbereiten. Kosten: 2.000–5.000 €
[ ] 3.4 Alte Verträge prüfen: Gibt es Stillhalteabkommen oder Vorkaufsrechte?
[ ] 3.5 Notartermin planen – nicht zu knapp! Mindestens 2 Monate Vorlauf
[ ] 3.6 Grundbucheintrag überprüfen: Wer ist eingetragen? Stimmt alles?
[ ] 3.7 Versicherungen überprüfen: Haftpflicht, Berufshaftpflicht, Schlüsselperson-Versicherung.
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Rechtlich abgesichert. Keine Fallen mehr.
KATEGORIE 4: STEUERN (6 Punkte)
Steuerplanung durchdenken – jeder gesparte Euro zählt.
[ ] 4.1 Stille Reserven mit Steuerberater identifizieren. Ihr Sparpotenzial!
[ ] 4.2 Schenkungsstruktur planen: Schenkung oder Verkauf? Schenkung = 0 € Steuer in Österreich
[ ] 4.3 Grunderwerbsteuer kalkulieren (falls Immobilien beteiligt). Stufentarif 0,5–3,5 %
[ ] 4.4 10-Jahres-Strategie prüfen: Mehrere Schenkungen im Abstand sinnvoll?
[ ] 4.5 Betriebspension dokumentieren (falls vorhanden). Wichtig für Bewertung
[ ] 4.6 Steuerbescheide der letzten 3 Jahre sammeln. Bank und Berater brauchen diese
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Steuerlich optimiert. Keine unnötigen Kosten.
KATEGORIE 5: MITARBEITER (5 Punkte)
Mitarbeiterbindung sichern – Ihr wertvollstes Kapital.
[ ] 5.1 Die 3–5 wichtigsten Mitarbeiter identifizieren. Das sind Ihre Risikopersonen
[ ] 5.2 Mitarbeiter-Kommunikation planen: 12–18 Monate Vorlauf. Klarheit schafft Vertrauen
[ ] 5.3 Retention-Verträge vorbereiten: Gehalt, Bonus, Betriebspension (für Schlüssel-Mitarbeiter).
[ ] 5.4 Junior-Mentoring planen: Wie lernt der Nachfolger die Firma? Jahr 1–2 intensive Einarbeitung
[ ] 5.5 100-Tage-Plan für Junior erstellen. Zuhören, Vertrauen aufbauen, erste Erfolge
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Ihre Key-Personen bleiben. Das Wissen bleibt im Haus.
KATEGORIE 6: KUNDEN (5 Punkte)
Kundenbeziehungen übertragen – nahtlos und vertrauensvoll.
[ ] 6.1 Kundenstock analysieren: Großkunden? Personenabhängigkeit? Red Flag: >30 % Umsatz von 1–2 Kunden
[ ] 6.2 Kundenbeziehungen auf Junior übertragen. Timing: Jahr 1–2
[ ] 6.3 Kundenverträge prüfen: Kündigungsfristen bei Geschäftsführerwechsel?
[ ] 6.4 Kundenkommunikation vorbereiten: Brief an Kunden. 3–6 Monate vor Übergabe
[ ] 6.5 Key-Account-Management etablieren: Junior baut Beziehungen zu Top-Kunden auf.
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Kunden bleiben loyal. Umsatz gesichert.
KATEGORIE 7: PERSONAL JUNIOR (6 Punkte)
Der Nachfolger ist bereit – fachlich, menschlich, finanziell.
[ ] 7.1 Ausbildung des Juniors klären: Externe Kurse? Mentoring? Branchenverbände?
[ ] 7.2 Handlungsfähigkeit testen: Kann der Junior allein entscheiden?
[ ] 7.3 Kommunikationsfähigkeit prüfen: Kann er mit Mitarbeitern, Kunden, Bank sprechen?
[ ] 7.4 Privatvermögen des Juniors klären: Eigenkapital vorhanden? Bank will das wissen
[ ] 7.5 Persönliche Stabilität prüfen: Private Probleme? Schulden? Gesundheit?
[ ] 7.6 Frühwarnzeichen beachten: STOPP bei Schulden, Familienproblemen, mangelnder Motivation. Übergabe verschieben!
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Der Nachfolger ist bereit. Sie können loslassen.
KATEGORIE 8: SICHERHEIT SENIOR (4 Punkte)
Ihre Altersvorsorge sichern – Sie haben es verdient.
[ ] 8.1 Altersvorsorge klären: staatl. Pension, Betriebspension, private Ersparnisse und Vermögensgüter?
[ ] 8.2 Abfindung/Kaufpreis/Entnahmegegenstände kalkulieren bzw. festlegen: Wie viel bekommen Sie aus der Übergabe?
[ ] 8.3 Auszahlungsmodalitäten festlegen: Einmalig oder monatliche (Zeit-/Leib)Rente über 10 Jahre oder unbefristet?
[ ] 8.4 Absicherung: Was passiert, wenn der Junior vor Ihnen stirbt? Lebensversicherung prüfen
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Ihr Ruhestand ist finanziell gesichert.
KATEGORIE 9: DOKUMENTATION (8 Punkte)
Wissen sichern – nicht nur im Kopf, sondern auf Papier.
[ ] 9.1 Geschäftsprozesse dokumentieren: Wer macht was, wann, wie?
[ ] 9.2 Kundenverträge digitalisieren: Alle Verträge, AGB, SLA abrufbar?
[ ] 9.3 Lieferantenverträge dokumentieren: Wer liefert was zu welchen Konditionen?
[ ] 9.4 IT-Systeme dokumentieren: Software, Passwörter, Cloud-Systeme.
[ ] 9.5 Finanzielle Unterlagen zusammenstellen: Jahresabschlüsse (3 Jahre), Steuerbescheide, Bankkonten.
[ ] 9.6 Immobilien dokumentieren: Kaufverträge, Grundbuchauszüge, Versicherungen.
[ ] 9.7 Patent/Marke/Copyright klären: Gehört das der Firma oder dem Senior?
[ ] 9.8 Schulden dokumentieren: Betriebskredite, Steuerschulden, Verpflichtungen.
✓ Kategorie abgeschlossen? Wenn ja: Alles dokumentiert. Der Nachfolger kann loslegen.
IHRE ÜBERSICHT: WO STEHEN SIE?
| Kategorie | Punkte | ✓ |
| Strategie | 6 | [ ] |
| Finanzierung | 8 | [ ] |
| Recht | 7 | [ ] |
| Steuern | 6 | [ ] |
| Mitarbeiter | 5 | [ ] |
| Kunden | 5 | [ ] |
| Personal Junior | 6 | [ ] |
| Sicherheit Senior | 4 | [ ] |
| Dokumentation | 8 | [ ] |
| TOTAL | 55 | [ ] |
Fortschritt: _____ von 55 Punkten erledigt
DER ZEITPLAN: WANN (SPÄTESTENS) SIE WAS MACHEN SOLLTEN
PHASE 1: 1 JAHR 2 (36–24 Monate vor Übergabe, spätestens)
Entscheidung treffen: Wer übernimmt? Professionelle Berater engagieren, Unternehmensbewertung in Auftrag geben, erstes Bankgespräch führen, Key-Personen und Risiken identifizieren.
Kosten: ca. 15.000–25.000 € | Resultat: Sie wissen, was die Übergabe kostet und wie lange sie dauert.
PHASE 2: JAHR 2 (24–12 Monate vor Übergabe)
Geschäftsplan schreiben, Steuerplanung durchführen, Junior-Einarbeitung starten, Mitarbeiter informieren (12–18 Monate Vorlauf!), Frühwarnzeichen beim Junior überprüfen.
Kosten: ca. 10.000–20.000 € | Resultat: Der Plan steht. Junior startet Einarbeitung. Bank ist informiert.
PHASE 3: JAHR 3 (12–3 Monate vor Übergabe)
Retention-Verträge unterzeichnen, Kundenverträge prüfen und Kunden informieren, Gesellschaftsform endgültig klären, Kaufvertrag/Gesellschaftervertrag mit Anwalt vorbereiten.
Kosten: ca. 15.000–30.000 € | Resultat: Alles vorbereitet. Die Übergabe kann starten.
PHASE 4: LETZTE MONATE (3–0 Monate vor Übergabe)
Schriftliche Kreditzusage von Bank einholen, Notartermin planen, letzte Dokumentation prüfen, 100-Tage-Plan für Junior finalisieren, Altersvorsorge des Seniors klären.
Kosten: ca. 3.000–8.000 € | Resultat: Notartermin steht. Kredit bestätigt. Es geht los!
SIE SIND GUT VORBEREITET – WENN SIE DIESE CHECKLISTE ABGEARBEITET HABEN
- Keine Mitarbeiter verloren – Ihre Key-Personen bleiben.
- Keine Steuerfallen – Sie zahlen nicht 50.000–100.000 € zu viel.
- Keine rechtlichen Überraschungen – Verträge sind wasserdicht.
- Keine Finanzierungsprobleme – Die Bank ist an Bord.
- Kein Chaos – Alles dokumentiert, alles klar. Für Sie, den Übernehmer, die übrigen Betroffenen (und das sind gar nicht so wenige)
- Fangen Sie diese Woche an. Punkt für Punkt. Kategorie für Kategorie. Am Ende steht Ihr Lebenswerk – sicher übergeben.


