Blog 10: Ihre drängendsten Fragen zur Übergabe: Klartext statt Fachsprache

23.06.2026
Blog 10: Ihre drängendsten Fragen zur Übergabe: Klartext statt Fachsprache

In den vergangenen Wochen haben wir viele Aspekte der Betriebsnachfolge beleuchtet, von der frühen Planung über die Bewertung bis hin zur Erhaltung der Belegschaft. Daraufhin haben uns zahlreiche Rückmeldungen und persönliche Fragen von Unternehmerinnen und Unternehmern sowie von mutigen Nachfolgern erreicht. Es zeigt sich deutlich: Egal in welcher Branche Sie tätig sind, die grundlegenden Sorgen und Hürden ähneln sich stark. In diesem Beitrag widmen wir uns daher Ihren häufigsten Fragen. Wir geben Ihnen klare, unmissverständliche Antworten ohne komplizierte Fachbegriffe, damit Sie mit Sicherheit und Zuversicht die nächsten Schritte planen können.

Wann ist der absolut späteste Zeitpunkt, um mit der Planung zu beginnen?

Diese Frage wird uns in fast jedem Erstgespräch gestellt. Die ehrliche Antwort lautet: Wenn Sie erst beginnen, wenn Sie eigentlich schon im Ruhestand sein möchten, ist es fast immer zu spät. Ein Unternehmen ist wie ein schwerer Zug, der sich nicht von heute auf morgen auf ein anderes Gleis umleiten lässt. Fünf Jahre vor dem gewünschten Ausstieg sind das absolute Minimum, um steuerliche Fristen einzuhalten, das Unternehmen unabhängig von Ihrer Person zu machen und einen geeigneten Nachfolger aufzubauen. Wenn Sie diesen Zeitrahmen unterschreiten, setzen Sie sich einem massiven Druck aus. Dieser Druck führt unweigerlich zu schlechteren Verhandlungsergebnissen, höheren Steuerbelastungen und im schlimmsten Fall dazu, dass Sie gar keinen passenden Käufer mehr finden. Daher ist es sinnvoll, früher loszulegen.

Wie behandle ich jene Kinder fair, die den Betrieb nicht übernehmen?

Das ist wohl die größte seelische Belastung in klassischen Familienbetrieben. Die Eltern möchten absolut gerecht sein, stellen aber schnell fest, dass eine Aufteilung des Unternehmens in gleiche Teile an alle Kinder meistens die Handlungsfähigkeit der Firma zerstört. Die Lösung liegt in der frühen und offenen Aussprache am runden Tisch. Das übernehmende Kind erhält den Betrieb, um diesen in die Zukunft zu führen. Die weichenden Geschwister müssen fair, aber für den Betrieb leistbar abgefunden werden. Dies geschieht durch notariell festgehaltene Ausgleichszahlungen, die oft über Jahre hinweg in Raten aus den Erträgen der Firma bezahlt werden, oder durch die Übertragung von privatem Vermögen wie Liegenschaften. Wer dieses Thema aus falscher Rücksichtnahme verschweigt, riskiert Jahre später erbitterte rechtliche Auseinandersetzungen, die nicht selten zum Konkurs des Familienunternehmens führen. Das ist die einzige Möglichkeit, um Streit zu verhindern.

Muss ich einem möglichen Nachfolger alle meine Zahlen offenlegen?

Ein verständliches Unbehagen begleitet viele Inhaber bei dem Gedanken, einem fremden Interessenten tiefste Einblicke in die Geschäftsbücher zu gewähren. Die klare Antwort lautet jedoch: Ja, Sie müssen vollständige Einsicht gewähren, aber niemals ohne weitreichende Absicherung. Bevor auch nur ein einziger Ordner geöffnet wird, muss eine strenge, rechtlich bindende Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet werden. Zudem erfolgt die Offenlegung der Zahlen in Stufen. Erst wenn grundlegende Einigkeit über den groben Wert und die Absichten besteht, geht es in die tiefe, rechtliche und wirtschaftliche Sorgfaltsprüfung. Kein ernsthafter Übernehmer wird die Verantwortung für ein Lebenswerk übernehmen, ohne vorher das Fundament auf versteckte Risse geprüft zu haben. Vertrauen ist wichtig, aber umfassende Klarheit auf beiden Seiten ist das einzige Mittel gegen spätere böse Überraschungen.

Wie hoch sind die Kosten für eine professionelle Begleitung?

Viele Betriebe scheuen die Kosten für externe Gutachter, Anwälte und Steuerberater und versuchen, die Übergabe am heimischen Küchentisch selbst zu regeln. Die Praxis zeigt jedoch erschreckend oft, dass eine falsch berechnete Immobilienertragssteuer, ein unentdecktes Risiko in alten Verträgen oder ein gescheiterter Bankkredit das Zehntausendfache der eingesparten Beratungskosten verschlingen können. Eine ganzheitliche Begleitung ist keine Ausgabe, sondern die wertvollste Investition in die Sicherung Ihres Lebenswerkes. Die Kosten richten sich stets nach der Größe und den Verflechtungen des Betriebes. Ein seriöser Berater wird Ihnen nach einer ersten Bestandsaufnahme immer einen transparenten Kostenvoranschlag für den gesamten Fahrplan vorlegen. Zudem gibt es in Österreich hervorragende staatliche Förderungen für genau diese Übergabeberatungen, die einen großen Teil der Last abfedern.

Was mache ich mit meiner Zeit nach der Übergabe?

Diese Frage wird oft nur hinter vorgehaltener Hand gestellt, ist aber der wahre Kern vieler gescheiterter Übergaben. Wer keine eigene Lebensperspektive für die Zeit danach hat, wird unbewusst jeden Fortschritt der Nachfolge blockieren. Das Unternehmen war Jahrzehnte lang Ihr Lebensmittelpunkt. Beginnen Sie frühzeitig damit, neue Aufgabenfelder zu suchen. Das können ehrenamtliche Tätigkeiten, das Nachholen langersehnter Reisen oder die Unterstützung junger Gründer:innen mit Ihrem enormen Erfahrungsschatz sein. Das Loslassen wird nur dann gelingen, wenn Sie die Hände frei haben, um was Neues zu greifen.

Im nächsten Beitrag widmen wir uns einem Thema, das viele zunächst als Niederlage empfinden, obwohl es eine gewaltige Chance ist: Was passiert, wenn niemand aus der eigenen Familie den Betrieb übernehmen möchte?

Dr. Thomas Reischauer, MBA
Autor

Dr. Thomas Reischauer, MBA

Geschäftsführer

Erfolg hat nur der, der etwas unternimmt, während er seinen Erfolg ansteuert.